Geschichte des Gutshofes

Der Gutshof wurde ungefähr im Jahre 1840 von der Spandauer Bankiersfamilie Techow gegründet. Es handelt sich um ein sogenanntes bürgerliches Gut, welche nach den Stein-Hardenbergschen Reformen ab 1807 von nichtadligen Personen errichtet werden durften.Diese Neugründungen konnte man meist daran erkennen, dass Sie nicht auf der "guten Seite" des Dorfes, wie am Wasser oder auf einem Hügel lagen. Dort hatte sich nämlich der Adel seit langem niedergelassen. Die bürgerlichen Neugründungen erfolgten deshalb fast immer durch Zusammenlegung mehrerer kleinen, oftmals pleitegegangenen Bauernhöfen. Die ersten Stallgebäude und die Scheune wurden in einfacher Holzbauweise errichtet. Die Wagenremise (Gatower Remise) wurde als Lehmfachwerkbau um das Jahr 1840 errichtet. Ihre heutige Gestalt erhielt sie durch die Restaurierung von 2009-2010. Ein weiteres Gebäude aus der Anfangszeit des Gutshofes ist das ehemalige Gärtnerhaus. Es war eines der  Stallgebäude auf der Pfaueninsel. Dort befand sich bis ca. 1845 ein privater zoologischer Garten der preußischen Königsfamilie, gegründet von der Königin Luise. Ihr Sohn Friedrich Wilhelm der 4. löste den Zoo auf der Pfaueninsel auf und gründete mit den Tierbeständen den heute noch bestehenden Zoo in Berlin-Charlottenburg. Das Giraffenhaus wurde von der Pfaueninsel per Schiff nach Gatow gebracht und dort in veränderter Form als Gärtnerhaus wieder aufgebaut. Es wird zur Zeit restauriert.

Das ehemalige Herrenhaus wurde im damals modischen Tudor-Stil erbaut. Es wurde in den 80er Jahren restauriert. Jetzt dient es den "Havel Kids", einem Verein für die außerschulische Betreuung, als Domizil. Das ehemalige Stallgbäude an der Buchwaldzeile wurde bis 2011 als Pferdestall genutzt. Jetzt ist es zu Wohnzwecken umgebaut .Etwa 70 m davon parallel dazu an der Straße Alt-Gatow stand bis 1961 die Gutsscheune. Sie wurde 1961 abgerissen um der katholischen St. Raphael Kirche Platz zu machen. Das war ein moderner Kirchenbau des bekannten Architekten Rudolf Schwarz. Dieser Bau, geplant mit dem katholischen Gatower Gemeindepfarrer Georg Jurytko, wurde zum Gedächtnis der in den letzten Tagen des 2. Weltkrieges Erschossenen errichtet. Pfarrer Jurytko war im 3. Reich gemeinsam mit seinem evangelischen Kollegen Pfr. Theile, für die in den letzten Kriegstagen wegen "Fahnenflucht" zum Tode verurteilten Menschen zuständig. Sie suchten beide, auch unter Gefahr für das eigene Leben, das himmelschreiende Unrecht zu mildern und zu helfen.

Diese Kirche wurde 2005, einen Tag bevor sie unter Denkmalschutz gestellt werden konnte, abgerissen - und dafür ein Supermarkt errichtet.

 

 

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© Ulrich Reinicke